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Donnerstag, 29. Januar 2015

Passionszeit mit Tiefgang?

Am 18. Februar beginnt die Passionszeit. Wer hier eine Zeit mit Tiefgang erleben und einen berührenden Jesus-Weg gehen möchte, dem empfehle ich mein Buch „Sieben Worte für das Leben“. http://www.scm-brockhaus.de/…/sie…/175354/175354/175354.html Die sieben letzten Worte von Jesus am Kreuz werden in den sieben Passionswochen entfaltet. Obwohl ein Sterbender sie sprach, treffen sie mitten ins Leben. Das habe ich beim Schreiben stark empfunden, als ich über die Worte von Jesus und zugleich über meine eigenen Erfahrungen nachdachte und manches Persönliche in das Buch einfließen ließ. Bei Amazon hat das Buch fünf Sterne. http://www.amazon.de/product-rev…/…/ref=dp_db_cm_cr_acr_txt…

Montag, 29. Dezember 2014

Die 'Jesus-Synagoge': Der Weihnachts-Fake 2014



„Synagoge in Israel entdeckt, in der auch Jesus gepredigt hat!“ Solche Nachrichten geistern derzeit durchs Internet. Kurz vor Weihnachten kamen sie auf – ganz passend zur Presse-Maschinerie, die zum Fest gern jesusbezogene Meldungen hervorbringt. Auch in Idea liest man die Nachricht: „Synagoge aus der Zeit Jesu entdeckt“. Idea ergänzt, dass – nach Auskunft von Wissenschaftlern – auch Jesus dort gepredigt habe.
Hat es einen solchen Fund vor wenigen Tagen wirklich gegeben? Wohl kaum. Was ist passiert?
In Israel wurde kürzlich Bausubstanz aus der Zeit der römischen Herrschaft entdeckt, und zwar im Gebiet der Golanhöhen. Für die Ausgräber ist die plausibelste Deutung die, dass es sich um eine Synagoge gehandelt hat. So z.B. dieser Bericht: http://www.biblicalarchaeology.org/daily/ancient-cultures/daily-life-and-practice/roman-era-structure-believed-to-be-synagogue-exposed-in-israel/
Das alles hat noch gar nichts mit Jesus zu tun. Nun findet sich aber auf machen Webseiten in Verbindung mit der oben genannten Meldung der Ortsname „Magdala“. z.B. hier: http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4608001,00.html. Aber was soll man sich unter „Magdala in Golan Heights“ vorstellen? Magdala liegt am See Genezareth. Und in der Tat: Hier hat man eine Synagoge gefunden. Es spricht vieles dafür, dass Jesus in diesem Ort gewesen ist. Daher schließt man, dass er auch in der Synagoge Gottesdienst gefeiert und vielleicht auch gepredigt hat. All das kann so gewesen sein.
Bloß: Dieser Fund ist schon mehrere Jahre alt und durchaus keine Sensation mehr. In der Neuauflage des Lexikons zur Bibel (SCM R.Brockhaus, Witten 2013) beispielsweise ist die Fundgeschichte beschrieben (Seite 761) und in Fotos dokumentiert (siehe auch Seite 737).
In der News-Maschinerie fließen nun die alte und die neue Meldung zusammen – es ist ja kurz vor Weihnachten! Und die Nachricht vom „neuen“ Fund breitet sich aus ... Meist ist es aber nur die Information über die längst bekannte Synagoge von Magdala. In aller Eile hat jemand sogar einen neuen Wikipedia-Eintrag „Synagoge (Magdala) erstellt – am 24.12.14, sehr spärlich mit altbekannten Informationen ausgestattet (https://de.wikipedia.org/wiki/Synagoge_%28Magdala%29).
Was bleibt? Man kann gern am 24.12. über die antike Synagoge von Magdala berichten, wie es z.B. die WELT tut (http://www.welt.de/politik/ausland/article135720377/Magdala-ein-Geschenk-Gottes-fuer-alle-Religionen.html). Bloß: Eine Neuentdeckung ist das nicht.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Mittwoch, 4. Juni 2014

Kolosser 3,9-15

Eine Übersetzung mit ein paar Anleihen aus der Zürcher Bibel und der Neuen Genfer Übersetzung, aber ansonsten mit eigenem Klang, so hoffe ich:

9 Macht einander nichts vor. Ihr habt doch den alten Menschen und dessen Handlungen ausgezogen 10 und euch mit dem neuen Menschen bekleidet, der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, sodass man ihn erkennen kann. 11 Da gibt es keinen Griechen oder Juden mehr, niemanden innerhalb oder außerhalb von Gottes Bund, keinen von primitiver Kultur oder einen Unzivilisierten, keinen Sklaven oder Freien, sondern alles und in allen ist Christus.

12 Also bekleidet euch – ihr seid ja Gottes ausgesuchte Heilige und Geliebte – bekleidet euch mit tiefem Erbarmen, Freundlichkeit, Bescheidenheit, Rücksichtnahme, Geduld. 13 Haltet es miteinander aus und vergebt euch gegenseitig, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr auch euch vergeben hat, so sollt ihr es auch tun. 14 Über dies alles aber zieht die Liebe an: So wird alles in vollkommener Weise zusammengehalten. 15 Und der Friede von Christus soll die entscheidende Instanz in euren Herzen sein. Zu diesem Frieden seid ihr auch berufen, ihr gehört einem einzigen Körper an. Seid auch dankbar.

Mittwoch, 23. April 2014

Von einem sperrigen Liedtext und einer Melodie, die Einspruch erhebt



„Gott ist noch Richter auf Erden“ – „Wer das Recht bricht, wird selbst zerbrochen“ – „Anklage gegen Menschen, die das Recht verdrehen“: Das sind Überschriften für den 58. Psalm in verschiedenen Bibelausgaben.

Das Gebet dieses Psalms geht mir nicht leicht über die Lippen. Die Gottlosen werden in all ihrer Gewalttätigkeit angeprangert, aber was der Beter ihnen wünscht, ist kaum weniger gewaltsam. Zugegeben: Sie sind die Täter. Sie tun anderen Böses an. Aber ist es nicht sehr einseitig, dass der Beter die Position des Gerechten einnimmt und sich an der Vergeltung freut, die Gott an den Gottlosen über wird oder soll? Schlägt das, wenn wir so beten, nicht sehr schnell in Selbstgerechtigkeit um? Macht das nicht blind für das Böse im eigenen Herzen?

Und wie soll ich als jemand, der an Jesus glaubt, folgenden Vers beten? „Freuen wird sich der Gerechte, wenn er die Rache anschaut; er watet im Blut des Gottlosen.“ (Vers 11) Bei aller Solidarität mit Gewaltopfern, bei aller Sehnsucht nach Gottes Gerechtigkeit – geht das nicht zu weit? Zwar stimmt es: Auch Jesus wird einmal als Richter kommen. Es wäre falsch, das auszublenden oder weichzuzeichnen. Aber wird Jesus als Richter dann Freude an der Vernichtung der Gottlosen haben? Wird er gern im Blut der Gottlosen waten? Oder wird bei seinem Urteilsspruch nicht vielmehr Schmerz über die Gottlosigkeit der Gottlosen mitschwingen?

Ich möchte den 58. Psalm als Gottes Wort respektieren. Aber ich kann ja nicht hinter das zurück, was ich bei Jesus gesehen habe – und auch schon beim barmherzigen Gott des Ersten Testaments. Wie also so einen Psalm lesen, beten?

Im ersten Vers hat dieser Psalm einen musikalischen Hinweis. Eine Melodie wird angegeben – angelehnt an ein damals offenbar bekanntes Lied. Dieser Psalm soll auf die Musik des Liedes mit dem Titel „Verdirb nicht“ gesungen werden. Wie das so ist mit bekannten Melodien: Wer sie hört oder singt, hört innerlich unwillkürlich den zugehörigen Text mit. Ob es den Israeliten mit dieser Musik auch so ging – sobald sie erklang, fiel ihnen ein: Das ist ja das Lied „Verdirb nicht“?

Diese Melodie steht in direktem Widerspruch zum Text dieses Psalms. Der Text fordert Vernichtung, die Melodie spricht sich dagegen aus. Ob das ein Schlüssel ist? Den Psalm in seiner Schroffheit stehen lassen, aber gleichzeitig eine andere Melodie dazu hören und „singen“ – die Jesusmelodie, die Melodie des Gottes, der „nicht von Herzen die Menschen plagt und betrübt“ (Klagelieder 3,33)? Würde der Text, der so weit entfernt von Jesus zu sein scheint, auf diese Weise angemessen eingeordnet, begrenzt, gedeutet?

Jedenfalls würde ich dabei nicht das Wort Gottes gegen ein verkürztes liebliches Jesusbild ausspielen. Sondern ich würde innerhalb des Wortes Gottes, Sektion Psalm 58, Vers 1 genauso ernst nehmen wie Vers 11. Und wenn ich dann diesen Psalm lese und zu beten versuche, höre ich die Melodie als „Subtext“ mit einer noch anderen Botschaft als die Verse 7-11. Ich bete dann „Zerschmettere, o Gott, ihre Zähne“ und bete gleichzeitig mitklingend: „Verdirb nicht“.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Die Logik des Segnens

Segen heißt: für jemand anderen Gutes von Gott erbitten. So zu leben und zu beten, ist Auftrag an uns Christen. Der Erste Petrusbrief sagt: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.“
Welche „Logik“ steckt dahinter? 
Mehr dazu im Bibel-Blog: hier.

Sonntag, 1. Dezember 2013

Gottesdienst ist kein Boxenstopp

Unter den christlichen Wortschöpfungen und Redensarten ist diese sicher eine der häufigsten:

„auftanken“

 Wenn sich jemand nach einer betriebsamen oder fordernden Woche auf den Gottesdienst freut, sagt er oft: „Da kann ich endlich mal wieder auftanken.“ Im Vorblick auf ein freies Wochenende oder einen Urlaub heißt es oft, man wolle seine „Batterien wieder aufladen“.

Für das Regenerieren von Körper und Seele im Urlaub kann diese Redensart vielleicht passend sein – aber für einen Gottesdienst? Auftanken ist ein technischer Vorgang, und schon das macht mich misstrauisch, dass dieses Bild für eine geistliche Wirklichkeit passend sein könnte (wie ich ausführlicher hier beschrieben habe).

Wenn ich mein Auto auftanke, fahre ich schnell mal vor, fülle voll, bezahle und dann geht es weiter. Das Auto betanken ist meist nicht mehr als ein notwendiges Übel, manchmal (wenn man es sehr eilig hat) sogar eine störende Unterbrechung. Wer wann wie schnell wohin fährt, steht schon vor dem Auftanken fest und ändert sich danach auch nicht.

Wenn ich mich nach einer hektischen Woche auf Zeit zum Reden und Entspannen mit meiner Frau freue – wäre es nicht seltsam, wenn ich ihr sagte: „Wie schön, dass morgen Wochenende ist. Da kann ich mal wieder so richtig bei dir auftanken.“? Vielmehr werden wir uns ja auf ganz unterschiedliche Weise begegnen. Wir werden uns erzählen, was uns bewegt, wir entspannen vielleicht zusammen oder nehmen gemeinsam bei einem Besuch oder einer kulturelle Sache neue Eindrücke auf, die uns miteinander verbinden. Oder es sind erst mal Spannungen zu klären, Dann ist die gemeinsame Zeit zunächst anstrengend, aber danach ist die Luft wieder klar. Für nichts von alledem wäre die Metapher „Tankstelle“ oder „Boxenstopp“ angemessen. Es wäre auch viel zu wenig, wollte ich die Zeit mit meiner Frau vorrangig nur deshalb erleben, damit sich danach wieder richtig funktioniere und „durchstarten“ kann.

Wenn das allerdings so ist, dann ist es auch eine sinnlose, ein falsche Erwartung an einen Gottesdienst, dort mal wieder so richtig aufzutanken. Als ob Gott der geistliche Spritlieferant wäre. Ist die Begegnung mit ihm nicht weitaus vielschichtiger? Auch in der Zeit mit Gott geht es darum, dass ich ihm mitteile, was ich auf dem Herzen habe (an Freude und Beschwerlichem) – und umgekehrt. Manchmal muss ein Konflikt angesprochen werden. Manchmal steht im Vordergrund, gemeinsam etwas zu unternehmen (z.B. im Gottesdienst anderen zu dienen). Weil ich es mit dem lebendigen heilig liebenden Gott zu tun habe, ist es auf jeden Fall angezeigt, dass ich einigermaßen ergebnisoffen in einen Gottesdienst gehe. Nicht erwartungslos, aber ergebnisoffen. Wenn ich mit meinem Auto an der Tankstelle vorfahre, ist das alles andere als ergebnisoffen.

Ich glaube, die allermeisten derer, die sich auf das Auftanken bei Gott freuen, verbinden viele der oben angedeuteten Vorstellungen damit. Viele erwarten von Gott gerade, dass ER spricht, dass ER handelt. Es ist eine aufrichtige Erwartung voller Glauben.

Bloß: Wenn das so ist, warum spiegelt sich das nicht in der Sprache wieder? Warum ist so dermaßen oft in Gesprächen, Predigten, Artikeln und Büchern vom Auftanken die Rede?

Bin ich zu pingelig? Ich weiß nicht … ich meine: Wenn Sprache und Sache nicht übereinstimmen, ist das ein Zeichen dafür, dass irgend etwas verkehrt ist. Oft fangen falsche Haltungen, falsche Taten mit falscher Sprache an. Oder falsche Sprache begünstigt zumindest falsches Denken, Tun, Leben.

Nein, ich ärgre mich durchaus nicht jedes Mal, wenn ich jemanden vom „Auftanken“ reden höre. Aber diejenigen von uns, die besonders mit Sprache umgehen, die besonders auf sie angewiesen sind, deren vorrangiges Werkzeug die Sprache ist – wir sollten Worte bewusst gebrauchen. Gedankenlosigkeiten abschütteln. Mit echter, stichhaltiger Sprache setzen wir (oft für andere unmerklich, aber dennoch wirksam) Akzente. Bereiten manchmal sogar Trends vor. Sprache ist nicht nur ein Spiegel der Wirklichkeit, sondern schafft oft Wirklichkeit.

Werden wir also fantasievoll und genau, wenn wir darüber reden, was wir von Gott und einem Gottesdienst erwarten!